Mecklenburg Vorpommern vernetzt
Link verschicken   Drucken
 

Der Naturforscher Ernst Boll (1817-1868)

Ernst Boll (* 21. September 1817 in Neubrandenburg; † 20. Januar 1868 ebenda) war als Privatgelehrter ein deutscher Naturforscher und Historiker. Er gilt als einer der Begründer der Naturforschung in Mecklenburg. Sein botanisches Autorenkürzel lautet „Boll“. Ernst Boll war jüngster Sohn des Neubrandenburger Pastors Franz Christian Boll (1775–1818). Er studierte in Berlin und Bonn Theologie und Naturwissenschaften.

 

Nach Abschluss des Studiums arbeitete er 1842 als Hauslehrer in Friedland (Mecklenburg). Durch seinen Onkel, den Medizinalrat Gustav Brückner aus Ludwigslust angeregt, der eine erste geologische Beschreibung Mecklenburgs verfasst hatte, wandte er sich zunächst der Geologie zu. Hierzu erfolgten 1846 und 1850 Veröffentlichungen. Weiterhin befasste er sich mit Botanik, Meteorologie, Petrographie und Zoologie.

 

Der ständig kränkelnde Boll fand keine Gelegenheit, einen eigenen Hausstand zu gründen. Über weitere Strecken ohne festes Einkommen lebte er bis zu seinem Tode in der Familie seines älteren Bruders Franz Boll (1805-1875), der Pastor und Praepositus in Neubrandenburg war, zugleich die unteren Klassen der dortigen Großen Stadtschule unterrichtete und sich seine Freizeit mit historischen und kirchengeschichtlichen Studien vertrieb.

 

Beide Boll-Brüder ergänzten sich gegenseitig. Als Ernst Boll in den 1850er Jahren mit den Arbeiten an seiner „Geschichte Mecklenburgs“ begann (1856 in zwei Bänden als Eigendruck erschienen; 1995 Nachdruck mit verschiedenen Zugaben), beteiligte sich daran auch Bruder Franz. Während das zu damaliger Zeit in seinen Betrachtungen ungewöhnlich moderne Werk aus Kreisen monarchisch orientierter Landeshistoriker heftig angefeindet war, zählt es heute unbestritten zu den wichtigsten Standardwerken mecklenburgischer Landesgeschichtsschreibung.


1846 gehörte Ernst Boll zu den Gründungsmitgliedern des Vereins der Freunde der Naturgeschichte Mecklenburgs. Von 1847 bis zu seinem Tode 1868 redigierte er fast im Alleingang die unter dem Titel „Archiv der Freunde der Naturgeschichte Mecklenburgs“ erscheinenden Jahrbücher des Vereins und wirkte darüber hinaus als dessen alleiniger Sekretär (=Geschäftsführer).

 

Diese Schriftenreihe des Vereins, für die Boll zahlreiche naturwissenschaftliche Aufsätze, besonders zur Botanik und Geologie, selbst verfasste, gehört zu den umfassendsten naturwissenschaftlichen Dokumentation im damaligen Mecklenburg. Politisch engagierte er sich 1848 in der Neubrandenburger Reformbewegung und war Verfechter liberaler Ansichten. Dabei kam es zur ersten Begegnung mit Fritz Reuter, aus der später in Reuters Neubrandenburger Zeit ein fester Freundschaftsbund erwuchs.


Bolls umfangreiche Gesteins- und Fossiliensammlung gelangte nach seinem Tod in die Sammlung des Neubrandenburger Museums und befindet sich heute in der Naturhistorischen Sammlung des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Müritzeum in Waren. Das erste Werk mit einer zusammenfassenden Darstellung der Malakofauna von Mecklenburg mit 103 Arten verfasste Boll 1851, einem Nachtrag 1859 mit bereits 109 Arten. Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern vergibt zu Ehren von Ernst Boll seit 1992 den Ernst-Boll-Umweltpreis.

 

Werke (Auswahl)

  • Geognosie der deutschen Ostseeländer zwischen Eider und Oder. 1846
  • Abriß der physischen Geographie. 1850
  • Die Insel Rügen. 1858
  • Flora von Mecklenburg. 1860
  • Abriß der Mecklenb. Landeskunde. 1861
  • Die Geschichte Mecklenburgs, mit besonderer Berücksichtigung der Culturgeschichte. 1855–1856, 2. Bände
  • Die Land- und Süßwassermollusken Mecklenburgs. 1851